Allgemeines zur Baureihe 114/115

1968, in politisch stürmischen Zeiten, stellte Mercedes-Benz seine neue Mittelklasse vor. Wegen dieses Erscheinungsjahrs werden die Fahrzeuge oft auch als /8 bezeichnet. Gegenüber der Vorgängerbaureihe W 110, den kleinen Heckflossen, sollte die aktive wie passive Sicherheit verbessert und eine deutliche formale Unterscheidbarkeit zu den Oberklasse-Modellen der BR 108/109 realisiert werden. Die aktive Fahrsicherheit verbesserte sich wesentlich durch eine Vorderachse mit doppelten Querlenkern und einer Schräglenker-Hinterachse. Höhere passive Sicherheit wurde u. A. durch eine Teleskop-Lenksäule erreicht. Stilistisch angelehnt an die BR 108/109 schuf Paul Bracg ein klares, eigenständiges Design. Ursprünglich sollte die neue Mittelklasse zwei formal unterschiedliche Modell-Reihen umfassen, weswegen die Baureihen-Nummern 114 und 115 vergeben wurden. Schließlich machten nur die Motoren den Unterschied, Vierzylinder = BR 115, Sechszylinder = BR 114. Im Januar 1968 wurden die Limousinen vorgestellt, im November das Coupe. Es gab eine Langversion und für Sonderaufbauten Fahrgestelle. Ein recht weit entwickelter Kombi wurde leider nicht realisiert. 

Neben den ständigen Verbesserungen gab es im Herbst 1973 eine große Modellpflege (Mopf). Die Fahrzeuge dieser 2. Serie übernahmen Merkmale der im September 1972 eingeführten neuen S-Klasse (BR 116) wie abgerundete Frontschürze, flacherer und breiterer Kühlergrill, geriffelte Heckleuchten …

Vom 200 D mit 55 PS bis zum 280 E mit 185 PS und einer langen Sonderausstattungsliste war für jeden etwas dabei.

Der /8 wurde zum ersten Million Seller für Mercedes-Benz. Von ihm wurden mehr Fahrzeuge als von allen bisherigen PKW-Baureihen produziert. Der Inbegriff des kleinbürgerlichen Wohlstandes endete gerade mit Dieselmotor nicht selten als zuverlässiges und günstiges Studentenauto der Spät-68er.

Im 280 E kam zum ersten Mal der neue Motor M 110 mit elektronischer Benzineinspritzung zum Einsatz. Das machte ihn zum Wolf im Schafspelz, die schnellste deutsche Mittelklasselimousine, mit der man Porsche jagen konnte. 

W114/115

Die Serienfertigung der Limousinen begann im Dezember 1967 mit dem 250er. Die der weiteren Typen im Januar 1968. Die letzten Fahrzeuge liefen im Dezember 1976 vom Band. Wegen der großen Nachfrage nach dem  Nachfolger, der BR 123, wurden sie knapp ein Jahr parallel gefertigt

C114

Das Coupé wurde im November 1969 vorgestellt. Der Radstand von Limousine und Coupe waren gleich. Front- und Heckscheibe waren schräger gestellt, die Dachhöhe war um 45 mm reduziert. Es gab sie nur mit Sechszylindermotoren. Bis zuletzt hatte das Coupe die bis zum Radlauf herumgezogene hintere Stoßstange. 

Bauzeit und Stückzahlen aller Baumuster Wegen der zahlreichen Baumuster nur ein paar Zahlen. Insgesamt wurden 1.919.056 Fahrzeuge der Baureihe 114/115 hergestellt. Auf das Coupe entfielen 67.030 Einheiten. Der 200er Vergaser war mit 288.785 die meistgebaute Variante mit Benzinmotor (Serie 1: 175.242 von Januar 1968 bis August 1973, Serie 2: 113.543 von September 1973 bis Dezember 1976). Der 220er mit Dieselmotor war das beliebteste Baumuster mit 412.829 Einheiten, und hielt damit rund 21 Prozent an der Gesamtzahl. Laut Kraftfahrbundesamt waren 2017 in Deutschland noch 977 Exemplare vom 200er Benziner der Serie 1 zugelassen, was 0,56 Prozent „Überlebende“ entspricht.

Insgesamt waren 2018 laut KBA 7.503 /8 zugelassen, was 0,39 Prozent „Überlebende“ entspricht